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Branchenverzeichnis Pfinztal

Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Mi. 05.04.17 , gültig bis Mi. 12.04.17

Pfinztaler Seniorenakademie: Besichtigung Edelstahlschmiede Rosswag in Kleinsteinbach

Als im Herbst das neue Programm der Seniorenakademie Pfinztal erschien war das Interesse an der angekündigten Exkursion zur Edelstahlschmiede Rosswag groß und die Plätze waren schnell ausgebucht. Erfreulicherweise erklärte sich der Seniorchef der Fa. Rosswag, Karlheinz Essig bereit, noch eine zweite Gruppe durch das Werk zu führen. Am 28.03.2017 war es soweit. Die Edelstahlschmiede Rosswag kann auf eine mehr als 100-jährige Firmengeschichte zurückblicken. Sie wurde 1911 von August Rosswag gegründet und wird heute als Familienunternehmen in 5. Generation geführt. Aus den kleinen Anfängen entstand die größte Freiformschmiede Süddeutschlands mit heute rund 200 Mitarbeitern. Das Produktionsspektrum ist breit gefächert, neben den Freiformschmiedestücken gehören dazu z.B. auch nahtlos gewalzte Ringe mit einem Durchmesser bis zu 3,5 m. Rosswag liefert in die ganze Welt, so werden Komponenten auch im Flugzeugbau und in der Ariane-Rakete eingesetzt. Eine besondere Spezialität sind die Glockenklöppel, die dafür sorgen, dass der Name Rosswag einem breiteren Publikum bekannt ist. Einige der namhaftesten Kirchen mit Klöppeln von Rosswag sind die Frauenkirche in Dresden, der Stephansdom in Wien, der Kölner Dom, das Freiburger Münster und ganz neu die Kathedrale der Erlösung des rumänischen Volkes in Bukarest. Für die Herstellung der Klöppel hat Rosswag einen eigenen Stahl entwickelt und patentieren lassen. Dieser steht für große Haltbarkeit und einen besonders guten Klang. Der Rundgang begann im Bereich für die Qualitätssicherung beim Wareneingang und vor der Auslieferung. Dabei handelt es sich um zerstörungsfreie Prüfungen wie z.B. Ultraschallprüfungen, aber auch um zerstörende Prüfungen insbesondere bei Bauteilen, die in hochsensiblen Anlagen, wie im kerntechnischen Bereich eingesetzt werden. Die Prüfkosten können durchaus die gesamten Herstellungskosten überschreiten. Rosswag verarbeitet über 400 verschiedene Werkstoffe, überwiegend Stahl, aber auch Aluminium und andere NE-Metalle, die in dem großen Materiallager als Rundmaterial oder als Blöcke vorrätig gehalten werden, um so schnell für die Produktion zur Verfügung zu stehen. In der eigentlichen Schmiede wurden wir Zeuge, wie gerade ein rotglühender Stahlblock mit einem Fahrzeug mit großen Greifarmen, einem sog. Manipulator aus einem der zehn gasbeheizten Schmiedeöfen geholt und zu einer der gewaltigen Schmiedepressen gebracht wurde. In mehreren Arbeitsschritten entsteht hier zunächst eine rechteckige Scheibe, diese wird abgerundet und schließlich mit einem Loch in der Mitte versehen, so dass ein Ring entsteht, der danach in den Ofen zurück muss, um für die nächsten Bearbeitungsschritte erneut aufgeheizt zu werden. Für den Laien ist die Bearbeitung faszinierend, da jegliches Gefühl für das Gewicht des Materials und die auftretenden Kräfte verloren geht. Mit dem Schmieden ist die Arbeit noch nicht erledigt, denn um ein Fertigprodukt zu erzeugen, werden die Teile noch mit Dreh-, Fräs- und Bohrmaschinen bearbeitet. Faszinierend auch hier die Größe der Maschinen. Es sind aber nicht nur die z.T. tonnenschweren Schmiedestücke, mit denen sich Rosswag beschäftigt, neu hinzugekommen als Arbeitsverfahren ist das „selektive Laserschweißen“, auch als „3D-Drucken in Metall“ bezeichnet. Wenn in der Presse Berichte über 3D-Drucker erscheinen, handelt es sich meist um Kunststoffverarbeitung. Hier wird in feinsten Schichten Metallpulver aufgebracht, das mit zwei Laserstrahlen verschweißt wird. So entstehen in mehrstündigen Prozessen Komponenten bis zu einer Seitenlänge von ca. 30 cm. Hier gefertigte Teile werden z.B. heute schon in Formel 1-Rennwagen eingesetzt. Das Fertigungsverfahren kann zu Gewichtseinsparungen führen, gestattet höhere Freiheiten in der Gestaltung von Bauteilen und hat sicher noch eine große Zukunft vor sich. Für das Arbeitsgebiet wurde in den letzten Monaten ein Gebäudeteil als das „Rosswag InnovationsCentrum“, in dem 2 Verarbeitungsmaschinen installiert sind, neu errichtet. Das für das Laserschweißen benötigte Metallpulver wird aus den bei der Fertigung im Werk anfallenden Metallabfällen gewonnen. Rosswag wurde dafür mit dem Deutschen Rohstoffeffizienz-Preis 2016 ausgezeichnet.

Text und Foto: Bernd Matthes





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